Füchse

Füchse

Füchse sind anpassungsfähig und teilen sogar ihren Bau

Haben Sie auch noch aus Ihrer Kindheit die Melodie „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ im Ohr? Und wie ist es mit der Jahrhunderte alten Geschichte von „Reineke Fuchs“? Die Geschichte mit dem König der Tiere, dem Löwen Nobel, der Pfingsten zum Hoftag eingeladen hatte. All die kleinen und großen Angereisten, die sich über die Untaten des nicht anwesenden Fuchses Reineke beschwerten und seine Bestrafung forderten, allen voran der Wolf Isegrim. Mit Braun, dem Bären, und Hinz, dem Kater, die Reineke gezielt in Lebensgefahr brachte und die nur knapp dem Tode entronnen … und als Reineke Fuchs bereits unter dem Galgen stand, den Kopf in der Schlinge, erzählte er eine als Beichte getarnte Lügengeschichte von Verrat und einem Goldschatz. Die Lügengeschichte machte den Bären Braun und den Wolf Isegrim zu Verrätern… Und am Ende die Berufung  von Reineke Fuchs zum Ratgeber und Kanzler. Was für eine spannende Geschichte. Doch spiegelt sich in dieser Geschichte nicht eher ein menschliches als tierisches Verhalten wider? Interessant ist dennoch, dass in all den Fabeln, Märchen und Erzählungen, in denen der Fuchs vorkommt, der Fuchs als „schlau und listig“ bezeichnet wird – und das sogar in unterschiedlichen Kulturkreisen.

Aufgenommen im Wildpark Warstein

Sparfuchs und Schlaufuchs

Die dem Fuchs zugesagten Eigenschaften wie List und Schläue finden sogar in der Werbung Verwendung.  Der „Sparfuchs“ und der „Schlaufuchs“ sind zu einem festen Bestandteil unserer Sprache geworden. Viele Dinge, die wir über den Fuchs meinen zu wissen, stammen aus Märchen und Fabeln. Ob sie sich auch mit Beobachtungen in der Natur decken? Was hat es mit der Schlauheit und Listigkeit des Fuchses auf sich? Beschäftigen wir uns doch einmal näher mit dieser interessanten Wildart. Fest steht, dass den Fuchs ein hohes Maß an Sinnesschärfe und Reaktionsschnelligkeit auszeichnet. So orientiert er sich beim Fangen von Mäusen vornehmlich an seinem Gehör und bemisst danach die Entfernung des letzten, entscheidenden Sprungs, dem sogenannten Zusprung. Der Fuchs ist sehr lernfähig und geschickt. Die sehr gut ausgebildeten Sinne sind der Geruchssinn und das Gehör des Fuchses. Die Sehfähigkeit ist besonders auf das Erkennen von Bewegungen ausgerichtet. Doch auch ein still sitzender Jäger wird von einem Fuchs durchaus rasch erkannt. Und so manch ein Waidmann hat bei der Fuchsjagd schon vor Ärger die sprichwörtliche Flinte ins Korn geworfen, da ihm der Fuchs wieder mal durch die Lappen gegangen war. Rotfuchs gehört zoologisch zu den Raubtieren und den Hunden. Die bekannteste Fuchsart, die auch am weitesten verbreitet ist, ist der Rotfuchs. Von allen wildlebenden Raubtieren haben Rotfüchse das größte geographische Verbreitungsgebiet. Umgangssprachlich wird er einfach als „Fuchs“ bezeichnet.

Aufgenommen im Wildpark Warstein

In der zoologischen Systematik gehört der Rotfuchs zur Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Hunde. Das Fell ist an der Oberseite rötlich, an der Unterseite weiß. Der Farbton variiert je nach Verbreitungsgebiet an der Oberseite zwischen rötlichgelb bis tiefrotbraun. Die unteren Teile der Beine (in der Waidmannssprache werden die Beine als „Läufe“ bezeichnet) sowie die Hinterseite der Ohren (in der Waidmannssprache werden diese als „Gehöre“ bezeichnet) sind schwarz gefärbt. Die Fellfärbung kann aber durchaus stark variieren. Die häufigste Farbvariation ist der Birkfuchs mit gelb-roter Oberseite, weißer Kehle und weißer Schwanzspitze (in der Waidmannspruch wird die Schanzspitze „Blume“ genannt). Seltener ist der Kohl- oder Brandfuchs. Er ist insgesamt dunkel, überwiegend dunkelbraun-rot. Bauch und Kehle sind grauweiß, die weiße Schwanzspitze fehlt. Der Kreuzfuchs weist über den Schultern und längs des Rückens einen dunklen Streifen auf.

Der Rotfuchs ist ein anspruchsloser Allesfresser. Somit stellt er an seinen Lebensraum keine besonderen Anforderungen. Sowohl Wälder und Grasland als auch Äcker sind Lebensräume für die Rotfüchse. Seine größte Siedlungsdichte erreicht er in abwechslungsreichen Feld/Wald-Landschaften. Kommt es zu einer Bestandsschwankung der Beutetiere (z. B. bei den Mäusen), so stellt er seine Ernährung kurzfristig um und frisst, was leicht zu erbeuten ist und einen hohen Energiegehalt hat. Daher kann man den Rotfuchs als „Nahrungsopportunisten“ bezeichnen. So erklärt sich auch der unter Jägern gebräuchliche Ausspruch: „Ein gutes Mäusejahr ist ein gutes Hasenjahr!“  Die Hauptnahrung des Fuchses sind Mäuse, Wildkaninchen, Jungwild (Hasen, Rehkitze), Vogelgelege und Jungvögel, Insekten und Regenwürmer. Auch Aas und Fallwild wird von Füchsen gefressen. Zudem sind im Sommer Früchte und Beeren eine wichtige Nahrungsquelle.

Jungfüchse sind hungrig

Ein Fuchs kann auch durchaus ein Hausgeflügel „stehlen“. Haushühner, Hausenten und Hausgänse (fast ausschließlich in Freilandhaltung) werden vor allem in der Zeit der Aufzucht der Jungfüchse erbeutet. In dieser Zeit besteht ein hoher Nahrungsbedarf.   Zunehmend leben Füchse auch in Städten. Seien Sie also nicht verwundert, wenn am Abend plötzlich ein Fuchs vor Ihrem Terrassenfenster steht. Denn die Stadt bietet den Füchsen reichhaltige Angebote. In der Nacht ungestörte Parks und Friedhöfe, vielfältige sichere Rückzugsgebiete und ein reiches Nahrungsangebot: Früchte in Gärten, Essensreste / Küchenabfälle auf Komposthaufen, Insekten, Mäuse, Ratten und die meist gut gefüllte Näpfe für die Hauskatzen nicht zu vergessen. Zudem bietet die Stadt einen weiteren großen Vorteil. Eine großflächige Bejagung der Füchse ist nicht möglich. Was die Körpermaße betrifft, so sind diese jahreszeitlichen und geographischen Schwankungen unterworfen. Die durchschnittliche Körperlänge beträgt bei den Männchen 65 bis 75 cm (ohne Schwanz), bei den Weibchen 62 bis 68 cm. Die Schwanzlänge (in der Waidmannssprache wird der Schwanz als „Lunte“ bezeichnet) beträgt bei den Männchen 35 bis 45 cm und bei den Weibchen 30 bis knapp über 40 cm.

Mit neun bis zehn Monaten geschlechtsreif

Der Rotfuchs wird mit etwa neun bis zehn Monaten geschlechtsreif. Die Paarungszeit (Ranz) ist einmal im Jahr. Der Rüde (männlicher Fuchs) ist von Dezember bis März befruchtungsfähig, die Fähe (weiblicher Fuchs) nur für zwei bis drei Tage im Januar / Februar. Oft folgen mehrere Rüden einer hitzigen Fähe. Die sozialen Kontakte werden zunächst meist durch ein weit zu hörendes heiser klingendes Bellen hergestellt. Oft stecken tagsüber mehrere Rüden mit einer Fähe im Bau. Die Begattung findet aber sowohl außerhalb des Baus als auch im Bau statt. Die Tragezeit beträgt 51 bis 53 Tage. Die Fähe wölft (gebiert) vier bis acht Welpen. In den ersten zwei bis drei Wochen wird nur gesäugt. Danach erbricht die Fähe zusätzlich halbverdauten Nahrungsbrei. Später wird vor dem Bau gefüttert. Die Rüden beteiligen sich durch das Herbeischaffen von Nahrung an der Aufzucht. Nach zwei bis drei Monaten nimmt die Fähe die Jungfüchse mit auf die „Schulpirsch“. Mit Beginn des fünften Lebensmonats werden die Jungfüchse selbstständig. Was wäre der Fuchs in unserer Vorstellung ohne seinen Bau? Dabei gehört der Fuchsbau im Volksmund enger zum Fuchs als dies in der Natur tatsächlich der Fall ist. Denn im Sommer und Herbst würde man einen Fuchs nur selten im Bau antreffen. Er liegt dann lieber an sonnigen Plätzen im Freien.

Dachs und Fuchs können ihre Jungen in einem Bau aufziehen

Erdbaue von Füchsen weisen neben der Hauptröhre und dem Kessel mehrere Fluchtröhren auf. Die beim Graben anfallende Erde wird zwischen den Beinen nach hinten befördert. So bildet sich am Eingang ein Erdhaufen. Füchse übernehmen auch Baue von Dachsen. Erstaunlich dabei: Dachs und Fuchs können zusammen in einem Bau erfolgreich ihre Jungen aufziehen. Als Bau zur Jungenauszucht benutzt die Fähe (weiblicher Fuchs) entweder einen Teil eines bereits vorhandenen größeren Baues oder sie legt eigens einen kleinen Bau an, der in guter Deckung liegt (z. B. unter Feldscheunen). Der Wurfkessel wird mit Bauchhaaren der Fähe gepolstert. Auch mit anderen Arten wie Wildkaninchen oder Brandgänsen ist eine gemeinsame Nutzung einer Bauanlage vielfach beobachtet worden. Dieses Verhalten wird als „Burgfrieden“ bezeichnet. In der näheren Umgebung seines Baues lässt der Fuchs potenzielle Beutetiere unbehelligt. Ein besetzter („befahrener“) Fuchsbau lässt sich an seinem Geruch erkennen. Am Eingang der Röhre können Sie einen stechenden Geruch wahrnehmen. Probieren Sie es doch einfach mal aus.

Füchse vom Hochsitz aus beobachten

Und wenn Sie erfahren möchten, ob an der dem Fuchs nachgesagten Schläue und Listigkeit tatsächlich etwas dran ist, müssen Sie schon selbst den Fuchs in freier Natur beobachten. Sprechen Sie dazu doch einfach mal einen Jäger und / oder Naturschützer in Ihrer Nähe an. Diese werden Ihnen sicherlich gerne einen Fuchsbau zeigen oder sie mit auf einen Hochsitz zur Beobachtung mitnehmen. Eins müssen Sie allerdings mitbringen: Ruhe und viel Geduld. Viel Spaß dabei.