Abwurf des Geweihs

Abwurf des Geweihs

 

Rothirsche werfen ihre Geweihstangen ab

Im Frühjahr lässt sich ein interessantes Naturschauspiel im Wildpark Völlinghausen beobachten:

Die Rothirsche werfen ihre mächtigen Geweihstangen ab. Bei den älteren Hirschen erfolgt der Abwurf bereits Ende Februar, bei den jüngeren im April bis in den Mai hinein. In einem Alter von zwölf bis vierzehn Jahren wird beim Rothirsch das stärkste Geweih erreicht. Im Durchschnitt wird eine Stange zwischen 90 und 100 cm lang.

Das Geweih wird jährlich abgeworfen

Ein Geweih besteht aus zwei Stangen, die jeweils mit der „Rose“ (wulstige zirkuläre Verdickung) am unteren Ende der Geweihstange auf den „Rosenstöcken“ aufsitzen. Als Rosenstock wird ein Stirnbeinfortsatz auf dem Haupt bezeichnet, auf dem das Geweih aufsitzt.

Der Geweihzyklus wird durch Hormone gesteuert. Der Geweihabwurf erfolgt in einer Zeit, in der der Testosteronspiegel bei den Hirschen den niedrigsten Stand erreicht hat. An einer „Sollbruchstelle“ –zwischen dem Rosenstock und der Stange – lösen sich in einer dünnen Schicht die Knochenzellen auf. Wird der Halt zu gering, bricht die Geweihstange ab – sie wird „abgeworfen“.

Und schon ist die alte Hierarchie auf den Kopf gestellt, denn die jungen Hirsche werfen das Geweih erst nach den älteren Hirschen ab. Der bisherige Platzhirsch – jetzt vorübergehend ohne Geweih – wird dann schon mal von einem „Jüngling“ mit noch vorhandenem Geweih vom Futtertrog verjagt.

Miterleben, wie das Geweih wächst

Kurz nach dem Abwurf setzt die Neubildung des Geweihs ein. Jetzt lohnt es sich besonders, regelmäßig den Wildpark zu besuchen.

Denn Sie können von Woche zu Woche miterleben, wie das Geweih wächst und sich entwickelt. Im Anfangsstadium der Geweihbildung sieht es wie ein „Kolben“ aus.

 

Während dieser Phase wird der Hirsch auch als „Kolbenhirsch“ bezeichnet. Während der Wachstumsphase ist das Geweih mit einer behaarten Haut überzogen. Diese wird Basthaut genannt. Neben der Bezeichnung „Kolbenhirsch“ wird der Hirsch in dieser Zeit daher auch „Basthirsch“ genannt.

Sowohl der Bast als auch das wachsende Geweih sind von Blutgefäßen durchzogen. Die Basthaut hat eine „nährende“ Funktion bei der Entwicklung des Geweihs. Mit fortschreitendem Wachstum kommt es zu einer Verknöcherung des Geweihs. Damit verliert auch schließlich die Basthaut ihre Funktion.

Geweihaufbau dauert knapp fünf Monate

Bei ausgewachsenen Hirschen ist das Wachstum des Geweihs Ende Juni, spätestens Anfang August, abgeschlossen. Die Hirsche beginnen dann, die Basthaut an Zweigen und Sträuchern vom Geweih abzustreifen. In der Weidmannsprache wird das Abstreifen als „Fegen“ bezeichnet. Streifen der noch durchbluteten Basthaut hängen zu diesem Zeitpunkt gelegentlich vom Geweih herunter. Wenn Sie dies bei den Hirschen im Wildpark sehen, ist das kein Grund zur Sorge. Die Hirsche sind dann weder krank noch sind sie verletzt. Es ist ein natürlicher Vorgang bei Abschluss der Geweihentwicklung.